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Altertum und MittelalterEine der ersten - und aufwendigsten - Darstellungen einer in Bildern erzählten Geschichte ist der "Papyrus von Hunefer" aus einem ägyptischen Totenbuch von ca. 1300 vor unserer Zeitrechnung. Die Geschichte darauf wird auch "Das Wägen des Herzens" genannt, denn in den drei Bildern wird berichtet, wie Hunefer nach seinem Tode bewertet und zu dem Gott Osiris geführt wird - eine für ägyptische Totenbücher klassische Geschichte. Dieser sequentielle Darstellung kommt ohne Texte aus und ist trotzdem auch über 3000 Jahre später durchaus noch verständlich. Dabei würde der "Papyrus von Hunefer" heute schwerlich in irgendeine Comicsammlung passen, denn er ist 5,5m lang. Sehen kann man ihn im Britischen Museum in London.
![]() Ein kleiner Ausschnitt aus den Papyrus von Hunefer - hier wird gerade von Anubis das Herz gewogen. Etwa 1000 Jahre nach unserer Zeitrechnung entstanden in Japan Bildrollen mit erzählenden Darstellungen. Beim "Lesen" bestand der Trick darin, das an beiden Seiten gerollte Papierband immer so abzurollen, dass nur ein Ausschnitt zu sehen war - das Prinzip erinnert an das Abspulen eines Filmes und gibt gleichzeitig die erste Assoziation des Umblätterns von Seiten. Die um 1350 n.u.Z. entstandene Shigisan-Engi-Emaki erzählt auf drei Rollen Legenden über ein Kloster auf dem Berg Shigisan, wobei die langen Bildabschnitte durch Texte ergänzt werden. Dabei ist die kürzeste der etwas über 30cm hohen Rollen alleine fast 9 Meter lang. Sie erzählt die Legende "Der fliegende Speicher".
![]() Ein Ausschnitt der Legende "Der fliegende Speicher"
Ungefähr zur gleichen Zeit wird in Deutschland die erste Sprechblase aufgezeichnet, in der gesprochener Text der bildlich dargestellten Figuren untergebracht ist. Natürlich hat sie äußerlich noch nicht viel mit dem weißen Ballon zu tun, der neben Donald Ducks Schnabel hängt. Eine weitere Vorform mögen die Bilder sein, mit denen mittelalterliche Geschichtenerzähler und Bänkelsänger ihre Vorstellungen begleiteten - sie malten wichtigste Szenen der Geschichten auf Tafeln und hielten diese während des Vortrages hoch. Die grundlegende Idee hierbei ist auch heute noch in allen Comics zu finden: ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Die andere wichtige, und leider heute sehr intensiv in der Werbung genutzte Wahrheit ist, dass Bilder die Aufmerksamkeit schneller und einfacher auf sich ziehen. Dieses Prinzip, das sich bereits die Bänkelsänger zu nutze machten, erklärt auch den teilweise schlechten Ruf, den Comics auch heute noch haben: sie gelten, gerade weil sie bei Kindern beliebt sind, als "einfache" und somit weniger wertvolle Literatur, die einem einen Text gewissermaßen in mundgerechten Bildhäppchen vorlegen. Dass der Comic keineswegs dazu gedacht ist, das Buch zu ersetzen oder zu vereinfachen, sondern eine ganz unabhängige Kunstform darstellt, wird dabei oft übersehen.
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