|
|
Comics in Amerika
Der Comic in der Art, wie wir ihn heute kennen, hat seinen Geburtsort in Amerika.
Als der erste Comic überhaupt gilt "The Yellow Kid" des Verlegers Joseph Pulitzer und des Zeichners Felton Outcult, der am 16. Februar 1896 sein Debüt hatte. Diese erste gedruckte Comicfigur startete einen enormen Siegeszug und wurde nicht nur bei seinen Lesern sehr beliebt, sondern machte gleich noch Werbung für Zigaretten, war in guter Merchandise-Tradition als Spielfigur erhältlich und soll sogar die Inspiration für ein Broadway-Musical geliefert haben.
"The Yellow Kid" erschien dabei nicht als eigenes Heft, sondern als fortlaufende Serie in den Wochenendausgaben einer Zeitung. Dabei zeigten sich bereits wichtige Elemente der Comics generell, wie feststehende Figuren, die Dialoge in Sprechblasen und eine fortschreitende Handlung, die in einer Folge von Einzelbildern erzählt wird.
Gerade die wöchentliche Erscheinungsweise der Comics erlaubten es ihnen, auch auf aktuelle Ereignisse Bezug zu nehmen. So zum Beispiel reagierten sie auf die Einführung des Frauenstimmrechtes 1920 in Amerika mit einer großen Zahl von Cartoons, in denen nun weibliche Figuren die Hautrolle spielten.
Comics, in denen Tiere in ihrer vermenschlichten Form auftraten, begannen ihren Siegeszug erst 1923, als Pat Sullivan seinen aus den Trickfilmen bekannten Kater Felix zu Papier brachte.
1930 folgte Walt Disney mit Mickey Mouse, die seitdem zwar zahlreiche Veränderungen durchlaufen hat, aber nicht an Popularität verloren. Auch der andere berühmte Vertreter der Disney-Tierwelt, die Anti-Held-Ente Donald Duck, folgte 1938 und wurde durch Carl Barks Einfluss nicht nur sehr charaktervoll, sondern auch berühmt und bekam zahlreiche weitere Figuren an die Seite gestellt. Als ein besonderes Zeichen der Anpassung an gesellschaftliche Verhältnisse mag man sehen, dass die cholerische, ewig erfolglose, faule und doch liebenswerte Gestalt des Donald Duck heute zumindest in Amerika nicht mehr gerne gesehen wird - seine fleissigen Neffen (anfangs auch eher kleine Satansbraten) und sein großkapitalistischer Onkel Dagobert (ursprünglich dem vergrämten Geizhals Scrooge aus der Weihnachtsgeschichte von Dickens nachempfunden) stehen zur Zeit besser im Kurs, vermutlich weil sie eher dem amerikanischen Traum "vom Tellerwäscher zum Millionär" entsprechen.
Brisantere Themen, die bei einem visuellen Medium wie dem Comic nicht ausbleiben konnten, erschienen natürlich nicht in den Zeitungen - "Eight Papers" genannte kleine Comichefte nahmen sich zum Beispiel dem Bereich der Pornographie an.
|