Comicgeschichte

Superhelden

Ob im knappen Fell-Lendenschurz wie Tarzan, im Kettenhemd wie Prinz Eisenherz oder später im hautengen rotblauen Kostüm wie Supermann - die Helden eroberten die Comicszene. Fast alle von ihnen wurden später nach Europa und Deutschland exportiert, so dass auch uns Figuren wie "Buck Rogers" oder "Das Phantom" aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wohl vertraut sind.

Tarzan

Tarzan - A Serial Story in Pictures! Noch fast mehr Text als Bild, aber doch einer der ersten Heldencomics.

1938 entstand Supermann, der sich als erster Comic-Held 1,25 Millionen Mal verkaufte. Ihm folgten zahllose andere Helden mit unterschiedlichen Superkräften, die sich im Kampf gegen "das Böse" - oft dargestellt durch Superschurken mit entsprechenden Gegenkräften - immer und immer wieder behaupten mussten. Einige von ihnen, wie Captain America, stellen sehr deutlich dar, dass es sich bei den Superhelden um Symbolfiguren von nationaler Stärke im Kampf gegen die Feinde grundlegender Rechte wie Freiheit, Demokratie etc. handelt.

Die SpinneDoch auch die Art der Superhelden veränderte sich. Die einsamen Streiter wie Supermann und Batman traten spätestens in den 70ern zurück, die anderen schlossen sich zu Teams wie der "Gerechtigkeitsliga", den "Rächern", den "X-Men" oder den familiären "Fantastischen Vier" zusammen. Dies bot nicht nur die Möglichkeit, mehr Hauptpersonen einzubinden (und gleichzeitig ihre Beliebtheit beim Publikum auszutesten) und somit für Abwechslung in den Geschichten zu sorgen, sondern stellte auch die persönlichen Probleme der Helden mehr in den Mittelpunkt. Durch die Beleuchtung ihrer Alltagssorgen hatte der Leser bessere Ansatzpunkt, sich mit den Helden zu identifizieren.
Dabei wurden einige von ihnen, wie der extrem populäre "Spiderman " (im Deutschen: "Die Spinne") gerade durch ihre persönlichen Probleme und Sorgen trotz ihrer außergewöhnlichen Fertigkeiten und ihrer Heldentaten manchmal fast zu Anti-Helden, die weniger Bewunderung als vielmehr Mitgefühl erweckten.

Es folgte eine weitere Generation von neuen Superhelden, die oft jünger und härter waren als ihre Vorfahren und bei denen die Grenzen zwischen "Gut" und "Böse" sich zunehmend als fließend darstellten, so zum Beispiel bei "Witchblade". Auch frühere Helden, wie zum Beispiel die Urväter Batman in "The Dark Knight Returns" (1986) und Supermann, kehrten in einer finsteren und weit weniger strahlenden Version zumindest kurzzeitig zurück. Diese Entwicklung ist sicherlich ein Zeichen für tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen, die natürlich auch den Geschmack der Comicleser betreffen. Somit haben Comics, wie jede Form der Populärkultur, fraglos eine wichtige Funktion als Anzeiger sozialen Wandels.

Die alten Superhelden haben in den letzten Jahren durch die Filmindustrie ein großes Comeback erhalten: die X-Men, der Hulk, Daredevil und Spiderman finden sich, unterstützt durch die aktuellen Möglichkeiten der Computertricktechnik, im großen Stil auf der Leinwand wieder.